Jetzt liegt es an uns

Zum Tod des Gründers der „New Work“ Bewegung Frithjof Bergmann – ein Nachruf von Johannes Ceh

Als Frithjof Bergmann stirbt, verteilt sich die Nachricht ganz im Sinne seines Wirkens: Selbstbestimmt. Persönlich. Pfingstmontag piepst mein iphone mehrfach. Nachrichten von Kollegen. Geprägt von Mitfühlen. Innehalten. Dankbarkeit. Bergmann hat inspiriert. Gewirkt. 

1984 brachte der Philosoph  sein Buch „Neue Arbeit, neue Kultur“ heraus und forderte einen radikalen Wandel der Arbeitswelt. Bereits damals lieferte Bergmann Antworten zu Herausforderungen, welche unsere Generation und Wirtschaft gerade in Zeiten von Corona gerade heftig durchschütteln: Rezession. Arbeitslosigkeit. Selbststimmung. Grundeinkommen. Gemeinwohl. 

Die traurige Wahrheit: So groß die Faszination für Bergmanns Werk, so sehr hinken viele Bewunderer der Umsetzung hinterher. Der 90-jährige war selbst überrascht, wie aktuell seine Thesen heute noch sind. Auch wenn „New Work“ zum Trendwort wurde, denken Unternehmen hierzulande die neue Arbeitswelt oftmals nicht zu Ende. „Ich habe mir diese «Neue Arbeit» schon anders vorgestellt, als sie heute zelebriert wird,“ sagte er in einem Interview mit dem Blog der Bund. Bergmann ging es um grundlegende Dinge: Eine humaner Arbeitswelt und Gesellschaft: „Menschen in Lohnarbeit erschöpfen, wenn sie zu dieser keinen inneren Bezug haben. Um am Lebensende feststellen, dass sie gar nicht richtig gelebt haben.“

Der geborene Österreicher lebte solch tiefe Auseinandersetzung bis zu seinem Tod. Sah Klima- und Mobilitätswandel als Chance, Umdenken anzuregen, führte selbst im Krankenbett engagierte Dialoge. Wer wisse, „was ihn antreibt, könne niemals arm sein. Egal, was auf dem Gehaltszettel steht“, ermutigte uns Bergmann genau diese Auseinandersetzungen zu führen. 

Frithjof hat diese Welt mit seinem Wirken ein Stückchen besser gemacht. Ein unermüdlicher Vordenker, Gestalter und Visionär einer besseren Gesellschaft, die das Individuum und das Gemeinwohl gleichzeitig im Fokus haben sollte: „Wir haben alle Instrumente, um die Welt zu verändern. Jetzt liegt es an uns, was wir draus machen.“ –

Zum Autor: Johannes Ceh ist Zukunftsaktivist, Wirkungs- und Transformationsbegleiter.  Er erarbeitet sinnvolle Narrative und befähigt Mitarbeiter das Unternehmen erfolgreich zu machen. Mit „Our Job To Be Done“ überträgt er diese Prinzipien auf gesellschaftliche Herausforderungen und lädt zu gemeinschaftlich konstruktiven Dialog und Handeln ein: www.ojtbd.de

Foto: Frithjof Bergmann zur Neuen Arbeit von alex lang unter CC BY-SA 2.0

1 Kommentar

  • Hermine Karin Richter
    5 Monaten ago Reply

    Vielen Dank, Johannes Ceh, für den ergreifenden Nachruf. Ich möchte mich jetzt gerne mit dem Werk von Frithjof Bergmann auseinandersetzen, bislang war er mir nicht bekannt.
    Wäre es möglich einen kurzen Abriss seines Werkes in unserer Gruppe zu referieren?
    Ich plane eine Veranstaltung mit anschließend er Diskussion des Werkes.

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