Klischee olé – Teil 1

Mumpitz oder nicht? Wir ­kennen alle die Klischees und die Vorurteile, die Frauen wie auch Männer regelmäßig zugeschrieben werden- und die uns den einen oder anderen Stein in den (Karriere-)Weg legen. femMit fragt Expertinnen und Experten, was wirklich Sache ist!

Dr. Wiebke Ankersen
­Geschäftsführerin AllBright Stiftung 
Foto: AllBright Stiftung

„Es wurde einfach keine Frau für den Posten gefunden.“

Dr. Wiebke Ankersen, ­Geschäftsführerin AllBright Stiftung sagt:

Fakt ist: „Ein echter Evergreen und die bequemste Ausrede, um alles beim Alten zu lassen. Natürlich gibt es im Jahr 2020 für jede Tätigkeit qualifizierte Frauen – man muss sie allerdings auch sehen wollen. Mir fallen genau zwei mögliche Gründe dafür ein, dass keine Frau für den Posten zu finden war. Der erste: Es wurde gar keine Frau gesucht, sondern eine möglichst exakte Kopie der männlichen Vorgänger – Thomas rekrutiert am liebsten einen Thomas, der ihm sehr ähnlich ist. Wer eigentlich immer Thomasse sucht, wird natürlich keine Frau finden. Der zweite: Keine Frau wollte sich für diesen Posten finden lassen. Und da sollte sich das Unternehmen ernsthaft fragen: Warum ist denn der Posten für Frauen offensichtlich nicht attraktiv? Wer hier seine Strukturen ehrlich infrage stellt, findet zukünftig auch Frauen für jeden Posten.“

Foto: AllBright Stiftung

Prof. Dr. Hannes Zacher, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie
am Institut für Psychologie der Universität Leipzig 
Foto: Swen Reichhold

„Es gibt so wenige Frauen in Führungspositionen, weil sie sich nicht durchsetzen können.“

Prof. Dr. Hannes Zacher, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie
am Institut für Psychologie der Universität Leipzig sagt:

Fakt ist: „Diese Erklärung ist zu einfach, zu pauschal und generell unzutreffend. Die Forschung zeigt keine konsistenten Geschlechterunterschiede in Persönlichkeitsmerkmalen wie Durchsetzungsfähigkeit oder Führungsstärke. Es ist auch nicht fair, Frauen eine Mitschuld an diesem Missstand zu geben indem Persönlichkeitsmerkmale als Erklärungen herangezogen werden. Stattdessen müssen Wege gefunden werden, um die „gläsernde Decke“ in vielen Unternehmen, die Frauen den Aufstieg versperrt, zu sprengen. Dazu gehört ein stärkeres Bewusstsein für die vielen Vorteile von Diversität in der Arbeitswelt, unter anderem für Kreativität und Unternehmenserfolg. Je mehr positive Vorbilder es für Frauen in Führungspositionen gibt, desto mehr Frauen werden in Führungspositionen kommen.“


Foto: Swen Reichhold

„Es gibt so wenige Frauen beim Film, weil die Kameras so schwer sind.“

Barbara Rohm, Regisseurin, Fotografin und langjährige Vorständin im Pro Quote Film e.V. sagt:

Fakt ist: „Der Anteil von Kamerafrauen liegt im Studium bei 25 Prozent. Mit dem Eintritt ins Berufsleben wachsen die Barrieren. Selbst wenn Kamerafrauen Preise für ihre Arbeit erhalten, werden ihnen weniger Chancen und Möglichkeiten geboten. Sie werden meist für Filme mit kleineren Budgets angefragt. Der Beruf ist immer noch sehr männlich konnotiert. Sehr oft hören wir in der Branche, dass die Kamera doch zu schwer für eine Frau sei! Die Kamerafrau Birgt Gudjonsdottir antwortet darauf, dass eine Kamera auch nicht mehr wiegt als ein Kleinkind. Bei Krankenpflegerinnen fragt sich interessanterweise niemand, ob das Bewegen von Patient:innen nicht zu schwer für sie ist.“


Foto: Orsino Rohm

„Frauen und Männergehirne sind verschieden groß und deswegen ticken die Geschlechter so unterschiedlich.“

Prof. Dr. Dr. Bettina Pfleiderer, Leiterin der Arbeitsgruppe „Cognition & Gender“ am Institut für Klinische Radiologie in Münster sagt:

Fakt ist: „Das war schon vor 100 Jahren ein Traum von so manchen Männern, dass die im Schnitt 100 g schwereren Gehirne von Männern, ein Beweis dafür seien, dass Frauen weniger intelligent seien. Betrachtet man allerdings die relative Gehirngröße (bezogen auf das Körpergewicht), sind die Unterschiede praktisch nicht mehr vorhanden. Und wie ich dann bei solchen Aussagen stets sage: ‚Frauen reichen 100 g weniger Gehirn (absolut gesehen) für mindestens die gleiche Gehirnleistung.‘

Wie jemand tickt, hängt sowieso nicht von der Größe des Gehirns ab, sondern von den Erfahrungen, die man vom Mutterleib bis zum Tode gemacht hat oder macht. Dieses wiederum hat Einfluss darauf, wie unser Gehirn ‚verdrahtet‘ ist. Gehirne sind etwas Lebendiges und Lernen verändert sie.“


Foto: Ulrike Dammann

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