Das Schlimmste war die Stille

Gespräch: Katharina Hamberger / Text: Ine Dippmann

Hass im Netz ist in den vergangenen Jahren ein Phänomen geworden, das die großen Social-Media-Anbieter unter Druck setzt und inzwischen sogar den Gesetzgeber auf den Plan ruft. Auf Plattformen, die ursprünglich dafür entwickelt wurden, Kontakt zu Freunden und Bekannten zu halten und ganz einfach weltweit neue Bekanntschaften zu schließen, toben sich seit Jahren die Hater aus. Wie gehen Betroffene damit um und wie reagiert die Politik? 

„Scheiß Text“. Das war der erste Kommentar, den Richard Gutjahr bekam, als er seinen Blog (G! gutjahrs blog) startete. Eine Art von Kritik, die er aus der klassischen Medienwelt nicht kannte. „Doch ich habe diesen ‚anderen Wind‘, der im Netz oft weht, erst einmal für normal gehalten.“

Der wehte auch Serap Güler sofort ins Gesicht, als sie in die Öffentlichkeit trat. 2012 wurde sie die erste türkeistämmige Landtagsabgeordnete der CDU in NRW. Radio, Fernsehen, Zeitungen berichteten – und in den Sozialen Netzwerken beschwerten sich Leute, das sei nicht mehr ihr Land, wenn so jemand wie Serap Güler jetzt im Parlament einen Platz habe. „Ich glaube, das ist eine Erfahrung, die alle Politiker mit Migrationsgeschichte, und die nicht unbedingt typisch deutsch aussehen, machen“, sagt Serap Güler. Und online ist es besonders schlimm: „Was ich im Netz erfahre, hat mir noch nie jemand persönlich ins Gesicht gesagt“, erzählt Güler. Während auf öffentlichen Veranstaltungen rassistische Anmerkungen durch die Blume artikuliert werden, schlägt ihr im Netz zum Teil purer Hass entgegen: „Da sind nicht nur deutsche Rassisten, sondern auch türkische oder nicht-deutsche Rassisten dabei, die sich irgendwie dazu ermuntert fühlen, jemandem zu drohen, der etwas sagt, was nicht in das eigene Weltbild passt.“ Sie war 32 Jahre alt, als sie das erste mal damit konfrontiert wurde. „Ich hatte so eine Erfahrung damals noch nicht gemacht. Ich war schockiert.“ 

Auch für die Comedienne Tahnee bedeutete der Schritt in die Öffentlichkeit, mit Hass konfrontiert zu werden. „Das ist für junge Künstler sehr schwierig und emotional nicht einfach zu handhaben,“ sagt Tahnee. Sie war 19, als sie auf die Bühne ging; nahm zunächst an, als Künstlerin Kritik aushalten zu müssen.

WAS MACHT DAS MIT MIR?

Richard Gutjahr hat sich an die „Shitstürmchen“ gewöhnt. Doch vor vier Jahren wurde es selbst ihm zu hart, sagt er. Gutjahr war zufällig Augenzeuge des Attentats von Nizza, er filmte den Lkw, der in die Menschenmenge fuhr. Das Material überspielte er dem Bayrischen Rundfunk, für den er damals als freier Journalist und Moderator arbeitete. Wenige Tage später berichtete er über das Attentat in München. Verschwörungsanhänger warfen ihm unter anderem vor, er arbeite für den Mossad, sei gar Drahtzieher der Anschläge. Und es blieb nicht bei den Angriffen auf ihn. Dass seine Frau aus Israel stammt, reichte einigen Trollen, um Gutjahr und seine Familie mit „unverholenem Antisemitismus“ zu überziehen. Auch seine Töchter wurden bedroht. Nächtelang habe er das Netz nach Droh- und Schmähvideos gescannt, weil er nicht überrascht werden wollte. 

Tahnee ist als Comedienne auf der Bühne nicht zimperlich. Sie erzählt, dass sie auf Frauen steht und in einem Monolog über Pornos erntet sie Lacher mit dem Spruch: „Meine Mutter, wenn die erfahren würde, dass ich Porno-Darstellerin wäre, die würde mich eiskalt abknallen …“ Auch wenn solche verbalen Härten zu ihrer Bühnenfigur gehören, nagen echte Hasskommentare an ihr: „Mir wurden Vergewaltigungen und andere schlimme Sachen angedroht“, erzählt sie. Ihre Empfehlung: „Man darf das nicht zu sehr an sich ranlassen, weil es einen unfrei werden lässt und in der Ausübung der Kunst einschränkt.“ Den eigenen Wert zu erkennen und darauf zu vertrauen sei wichtig. 

Sich eine dicke Haut zuzulegen, sei auch keine Lösung, meint dagegen Serap Güler: „Es ist gefährlich, wenn man so abstumpft, dass man nicht mehr empfindsam für Kritik ist.“ Die Hasskommentare haben sie verändert. Gerade am Anfang ihrer politischen Karriere nahm sie sich vieles zu Herzen und spürte: „Wenn du allen entgegenkommen willst, bist du bald nicht mehr du.“ Bis heute bereite es ihr schlaflose Nächte, wenn Hass und Hetze auch ihre Familie in Mitleidenschaft ziehen, und sei es nur, weil sie sich Sorgen um ihre Sicherheit macht.


Foto: Guido Schröder

„Man darf das nicht zu sehr an sich ranlassen, weil es einen unfrei werden lässt und in der Ausübung der Kunst einschränkt.“

Tahnee


WAS MACHEN DIE HATER MIT MEINEM UMFELD

„Das Schlimmste für mich waren gar nicht die Hater. Das Schlimmste war für mich die Stille“, sagt Richard Gutjahr. Damit meint er „die Leute, die das passiv beobachtet haben. Man kann sich das vorstellen wie bei einer Schlägerei an der Bushaltestelle: Die Umstehenden schauen nur zu, keiner macht was, obwohl da genug Leute wären, die helfen könnten.“

Denn die Hater schüchtern nicht nur ihre unmittelbaren Opfer ein, sondern auch viele, die noch nicht betroffen sind. „Sie haben Angst, zwischen die Fronten zu geraten und dann auch Zielobjekt von Hass zu werden.“ Und so habe er zwar unterstützende Direct Messages bekommen, aber wenig öffentlichen Zuspruch. Die Erfahrung schmerzt. Verletzt hat Gutjahr auch die Reaktion seines Arbeitgebers, des Bayrischen Rundfunks. Der zeigte aus seiner Sicht „null Verständnis dafür, was man da durchmacht.“ 

REAKTION AUSHALTEN – WEGDUCKEN – RESIGNIEREN

„Als es dann wirklich hart und so richtig übel wurde, habe ich gedacht: Okay, jetzt ducke ich mich weg.“ Gutjahr beobachtet weiter, was sich in den Netzwerken tut und liest seine Mails, reagiert aber nicht mehr. Der Effekt überrascht ihn: „Das wurde nicht besser, das wurde sogar teilweise schlimmer! Weil man dieses Vakuum, diesen Marktplatz den Schreiern und Schreihälsen überlässt. Die merken: Ah cool, hier kann ich mich austoben. Es gibt noch nicht mal irgendeine Form von Bestrafung!“

Die Hater bestärkten sich in ihrer eigenen Echo-Kammer, treten in eine Art Wettbewerb, so Gutjahr. Wenn eine rote Linie einmal überschritten ist, setzt der Nächste etwas drauf. „So entsteht eine Schreispirale“, sagt der Journalist heute: „Das, was gestern krass war, ist morgen nicht mehr krass genug.“ Das Ganze auszusitzen, wie er es versucht habe, funktioniere nicht. Im Gegenteil: Die Stummen verstummen noch weiter und die Lauten werden noch lauter, so sein Fazit.

Gutjahr gelangte damals noch zu einer weiteren bitteren Erkenntnis: „Auf Institutionen braucht man sich nicht verlassen. Die Polizei hatte zwar Verständnis. Aber je höher das in der Hierarchie wurde, desto kleiner wurde das. Der Staatsanwalt fragte: Das ist ja nur Internet, was regen Sie sich denn so auf? Da steht ja noch keiner direkt bei Ihnen vor der Haustür.“ Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und das Attentat in Halle haben solche Ansichten inzwischen auf tragische Weise ad absurdum geführt. 

GEGENWEHR 1: MIT DEN HATERN REDEN

Den Hatern nicht das Feld überlassen, selbst aktiv werden, ist Teil von Tahnees Strategie im Umgang mit Hetzern: „Hassrede lebt von Anonymität. Die Leute gehen nicht davon aus, dass ich ihre Kommentare lese. Sobald ich persönlich etwas schreibe, merken die erst einmal, was da passiert.“

Nicht jeder Post sei ihr eine Antwort wert, sagt Serap Güler, auf Beleidigungen etwa reagiere sie nicht. Bei überzogener Kritik hat sie früher das Gespräch gesucht. Schnell hat sich gezeigt: „Wenn die Person das Problem nicht mit meinen inhaltlichen Positionen, sondern mit meiner Herkunft und meinem Glauben hat, werde ich mit ihr nicht auf einen Nenner kommen. Insofern ist es Zeitverschwendung, mit diesen Leuten zu diskutieren.“

GEGENWEHR 2: KOMMENTARE LÖSCHEN

Tahnee hat für sich entschieden: „Meine Seiten bei Facebook und Instagram sind mein Wohnzimmer. Kommentare, die verletzen, drohen, rassistisch oder sexistisch sind, werde ich löschen.“ Sie stehen zu lassen sei wie einen Hundehaufen im Haus liegen zu lassen: „Da sagt ja auch keiner: damit musst du jetzt leben.“ Die Hass-Haufen beseitige auch ihre Community mit. Sehr negative Kommentare werden intensiv diskutiert, meist, bis die- oder derjenige den Kommentar von sich aus löscht.

GEGENWEHR 3: ANZEIGEN & KLAGEN

Gutjahr lernt auf die harte Tour: „Diese Schreispirale muss man irgendwie durchbrechen.“ Nach einem halben Jahr holte der freie Journalist mit zwei Anwälten zum Gegenschlag aus, versucht die Schmähvideos aus dem Netz zu bekommen: „Ich musste sehr viel Geld investieren, um das wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen.“ Die meisten Fälle wurden nicht weiter verfolgt oder eingestellt. Facebook und YouTube löschen manche Beiträge, andere nicht. Seine Rechtsschutzversicherung kündigte den Vertrag nach einem Jahr. 

GEGENWEHR 4: MIT ANDEREN DAGEGENHALTEN

Zuspruch und Hilfe bekam Richard Gutjahr von einem Mann aus den USA, der seinen Sohn bei einem Amoklauf an einer Schule verloren hatte und dessen Familie danach auseinandergebrochen war. „Der hat mir Tipps gegeben, wie ich mich wehren kann. Wir haben nächtelang gechattet. Ich habe mir gedacht: Wenn es da draußen Leute gibt, die so etwas überstehen, dann werde ich das doch auch können.“

Hilfe kommt auch von Gruppen wie „Wir sind hier“ und der Amadeu Antonio Stiftung. Sie organisieren Workshops zu Counter Speech und versuchen in den Kommentaren, die Trolle und die Hater in die Defensive zu bringen. Bis es soweit ist, vergehen aber oft ein paar Tage und Wochen, so Gutjahr. 

Dabei wäre laut und deutlich ausgesprochener Beistand so wichtig, sagt Serap Güler: „So dass diejenigen, die den Hass gegen einen richten, auch merken: Okay, diese Person ist nicht allein.“

Doch die Erfahrung zeigt: „Viele denken: Es bringt eh nichts, also brauche ich nichts machen. Aber das bestärkt die Täter nur. Ich glaube, da muss man ganz deutlich machen, dass man das eben nicht mit sich machen lässt und nicht duldet.“ 


Foto: Mathias Vietmeier

„Das sind manchmal ganz liebevolle Familienväter, die sich irgendwie in ein Monster verwandeln durch diese Distanz im Netz.“

Richard Gutjahr


GEGENWEHR 5: SCREENSHOT POSTEN

 Richard Gutjahrs „magic trick“ gegen Hasskommentare, die strafbar sein könnten, ist der Screenshot. Er fotografiert und postet ihn unmittelbar unter den bedrohenden Kommentar: „Damit erreicht man eine Machtumkehr. Durch dieses Spiegeln erschrickt dieser Mensch oft vor sich selber. Denn in vielen Fällen sind das ganz liebevolle Familienväter, die sich irgendwie in ein Monster verwandeln durch diese Distanz im Netz.“ Der gepostete Screenshot zeige dem Kommentarschreiber aber auch: „Er ist mir jetzt ausgeliefert. Denn selbst, wenn er seinen Kommentar jetzt löscht, kann er nicht verhindern, dass ich mit diesem Screenshot und seinem Profil zur Polizei gehe.“ 

-> Hilfsangebot bei Hass im Netz

Wichtig ist beim Screenshot die Facebook-ID-Kennung, die in der URL hinter facebook.com steht, miteinzubeziehen. Die braucht die Polizei. Gutjahrs Erfahrung nach löschen die meisten ihren Kommentar nach so einer Veröffentlichung, entschuldigen sich oder melden sich ganz bei Facebook ab, in der Hoffnung, dass sie dann nicht mehr belangt werden können. „In 90 Prozent der Fälle höre ich von den Angreifern nie wieder etwas.“

GEGENWEHR 6: ICH HAB POLIZEI & STAATS-ANWALTSCHAFT

„Die Behörden nehmen das mittlerweile ernst, das geht zack-zack“, sagt Serap Güler. „In manchen Bundesländern gibt es Online-Polizeiwachen, da kann man einfach Screenshots hochladen, das dauert keine fünf Minuten.“ In Bayern hat das Justizministerium im vergangenen Jahr die Initiative „Justiz und Medien – konsequent gegen Hass“ ins Leben gerufen. Sie ist bei der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) angesiedelt und hilft, online Strafanzeigen zu erstatten. Zuletzt ermittelte die Generalstaatsanwaltschaft München gegen 14 Männer und drei Frauen, die bei der Übertragung einer Demonstration von Flüchtlingen Hasskommentare auf den Seiten eines Radiosenders hinterlassen hatten. „Hate Speech nur zu löschen, kann hier nicht die Lösung sein. Eine nachdrückliche strafrechtliche Verfolgung dagegen schon“, hieß es in einer Mitteilung. Es ist der Ansatz, den auch die mitteldeutschen Landesmedienanstalten, der MDR und mehrere Medienhäuser mit der Intiative „Verfolgen statt löschen“ propagieren. Die Landesregierungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben in den vergangenen Jahren signalisiert, diesen Weg zu unterstützen. Die neue sächsische Justizministerin Katja Meier (Grüne) hat angekündigt, 2020 spezialisierte Staatsanwaltschaften gegen Drohungen und Hass im Netz vorgehen zu lassen.
(Nachtrag: Bürgerinnen und Bürger können inzwischen in Sachsen strafbare Hasskommentare direkt über die Onlinewache der Polizei Sachsen zur Anzeige bringen.)

GEGENWEHR 7: MIT HILFE DER POLTIK

Serap Güler hofft auf stärkere Unterstützung durch den Gesetzgeber auf Bundesebene. Plattformen müssten noch viel stärker reguliert werden, denn „Facebook und Co. werden der Verantwortung, die sie tragen, nach wie vor nicht gerecht.“ Was gelöscht wird und was stehen bleibt, sei zum Teil nicht nachvollziehbar. Für intensivere Regulierung durch demokratische Institutionen, die der Bevölkerung gegenüber rechenschaftspflichtig sind, spricht sich inzwischen auch Facebook-Chef Zuckerberg aus. Im Juni hat der Bundestag dazu ein umfangreiches Gesetzpaket gegen Hass und Hetze im Internet beschlossen. Von der Beleidigung bis hin zur Billigung von Anschlagsplänen – derartige Äußerungen können künftig härter bestraft werden. Schon mit einem einzigen Mausklick kann dann die Grenze zur Straftat überschritten werden, drohen Gefängnisstrafen. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht erklärte: „Wer hetzt und droht, muss mit Anklagen und Verurteilungen rechnen. Das sind entschlossene Schritte gegen Menschen- und Demokratiefeinde, die ein gefährliches Klima der Gewalt schüren.“ Kommunalpolitiker:innen werden nun vor übler Nachrede oder Verleumdung besser geschützt. Sie können zudem, ebenso wie Journalist:innen oder ehrenamtlich Tätige, ihre Daten im Melderegister besser schützen, indem sie die Auskunft sperren lassen. Bisher kann jeder den vollen Namen und die Adresse anderer bei Behörden erfragen.

Die Sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter dürfen Posts, die eventuell strafbare Inhalte zeigen, nun nicht einfach nur löschen. Sie müssen teilweise sofort mit der IP-Adresse der Verfassenden an das Bundeskriminalamt übermittelt werden. Facebook versucht inzwischen mit Hilfe Künstlicher Intelligenz Hassinhalte zu entdecken, bevor sie von Nutzern gemeldet werden. 

Ende Juli 2020 hat Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung, mit der „Bundeszentrale für digitale Aufklärung“ eine neue Institution im Kampf gegen Fakenews und Hate-Speech und für Medienkompetenz gegründet. Netzpolitik.org kritisiert aber, dass „Ankündigungen und eine dürre Webpräsenz ohne Konzept und finanzielle Mittel noch lange keine ‚Bundeszentrale für digitale Aufklärung‘ ausmachen, die diesen Namen verdient und der gesellschaftlichen Brisanz des Themas gerecht wird.“

Auch auf europäischer Ebene ist der Hass im Netz ein Thema. Die EU-Kommission bereitet einen sogenannten Digital Services Act vor, ein Gesetzespaket für digitale Dienste, mit dem Bürger:innen online geschützt werden sollen. „Das ist auch dringend notwendig“, so die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Věra Jourová. Denn Hassrede, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und andere Formen der Intoleranz seien in Europa auf dem Vormarsch. 

Jourová hat vor vier Jahren einen Verhaltenskodex auf den Weg gebracht, mit dem sich die IT-Unternehmen freiwillig verpflichten, gegen Hass- und Desinformationskampagnen vorzugehen. Neben Facebook, YouTube und Twitter akzeptieren inzwischen auch Instagram, Snapchat und TikTok den Kodex der EU-Kommission. Nach eigenen Angaben mit deutlichem Effekt: 90 Prozent der als Hassrede markierten Inhalte werden innerhalb von 24 Stunden analysiert. 2016 waren es nur 40 Prozent. Derzeit werden im Schnitt 71 Prozent der beanstandeten Eintragungen entfernt.


Foto: Land NRW/R. Sondermann

„Ein Angriff auf einen Demokraten ist ein Angriff auf die gesamte Demokratie.
Das akzeptieren wir nicht.“

Serap Güler


GEGENWEHR 8: GEMEINSAM STARK

Hetzern im Netz entgegenzutreten ist letztlich eine gesellschaftliche Aufgabe, die neben der Polizei, Politik und den Plattformen auch das soziale Umfeld der Betroffenen mit stemmen können und müssen. Güler ist froh, dass mit dem Hass auch die parteiübergreifende Solidarität zugenommen hat: „Ganz gleich, welches Parteibuch der andere hat: Bei verbalen Attacken im Netz oder auch realen Vorkommnissen in Wahlkreisbüros stehen viele auf und sagen: so nicht. Ein Angriff auf einen Demokraten ist ein Angriff auf die gesamte Demokratie. Das akzeptieren wir nicht.“

-> Hilfsangebot bei Hass im Netz


Tahnee Schaffarczyk Jahrgang 1992, Jurypreisträgerin des Prix Pantheon 2018 und des Bayerischen Kabarettpreis 2020, ist das Chamäleon der deutschsprachigen Comedy: Von klassischem Stand-up, Sketch-und Radio-Comedy, über Parodien bekannter und unbekannter Persönlichkeiten bis hin zu vielfältigen Gesangs- und Rapeinlagen beweist sie immer wieder ihr Talent. Tahnee wechselt in Sekunden Dialekte und Akzente; der Bayrische Kabarettpreis nennt sie „eine Rampensau im besten Sinne des Wortes“. Ihre Comedy-Nummern sind dabei immer auch politisch. 2016 moderiert die gebürtige Heinsbergerin erstmals die Kultshow NightWash und geht parallel mit ihrem ersten Solo-Programm #geschicktzerfickt auf Tour. Im Herbst 2019 folgt das zweite Soloprogramm: Vulvarine. Seit 2019 gehört Tahnee zum festen Ensemble von „Binge Reloaded“ auf Amazon Prime.

Richard Gutjahr wurde 1973 in Bonn geboren. Mit 20 begann er eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München, studierte zeitgleich Politik- und Kommunikationswissenschaften. Nach dem Abschluss folgten Arbeiten für Radio Gong, Bayern 3 und die Süddeutsche Zeitung. 1999 arbeitete Gutjahr mehrere Monate für das CNN-Büro in Washington, später für Das Erste und den BR. Im Juli 2016 wurde er Zeuge der Amokfahrt in Nizza, wenige Tage später berichtete er als einer der Ersten vom Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum in München. Das führte dazu, dass sich um seine Person eine Reihe von Verschwörungstherien im Netz entwickelten, die er bis heute bekämpft. 2020 beendete Gutjahr nach 22 Jahren seine Tätigkeit beim BR. Heute arbeitet er unter anderem bei Media Pioneer, wo er den Technik-Podcast Tech-Briefing moderiert. 

Serap Güler wurde im Jahr 1980 als Kind türkischer Einwanderer in Marl (Ruhrgebiet) geboren und wuchs dort auch auf. 1999 erlangte sie die Hochschulreife, absolvierte dann eine Ausbildung im Hotelwesen. Anschließend begann sie ihr Studium der Kommunikationswissenschaften und Germanistik an der Universität Duisburg-Essen, das sie mit Magistra Artium abschloss. Nach dem Studium arbeite Güler zunächst als Referentin in verschiedenen Ministerien. 2012 zog sie dann in den Landtag ein. Seit 2017 hat sie den Posten als Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen inne. Sie ist Mitglied im CDU-Bundesvorstand und gilt als erfolgreichste CDU-Politikerin mit Migrationshintergrund. Güler ist verheiratet. Seit 2010 hat sie die deutsche Staatsbürgerschaft.

Hinweis: Dieser Text erschien erstmals im femMit-Magazin 1/2020

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